(Interview mit den Ärzten aus den "Wolfsburger Nachrichten" vom 3. September, freundlicherweise abgetippt von Steffen Retzlaff - vielen Dank!!!)


"Wir machen einfach das, was wir lustig finden"

Noch nie waren "Die Ärzte" so erfolgreich wie heute, da sie sich mit ihrer Single "Ein Schwein namens Männer" an die Spitze der deutschen Charts gespielt haben. Ganz unbescheiden betiteln sich "Die Ärzte" auch als "beste Band der Welt". Am Freitag, 25. September, tritt die skandalumwitterte Dreier-Crew – immerhin schlug die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften insgesamt sieben Mal zu und setzte Platten und Plakate auf den Index – um 20 Uhr im Congress Park auf.

Karten sind noch an den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben und unter der Telefonnummer 0 53 03/30 60 zu ordern. Die Wolfsburger Nachrichten (WN) interviewten Schlagzeuger Bela B. und Sänger Farin Urlaub exklusiv vor ihrem Auftritt beim Open-Air-Konzert am Flughafen Hildesheim.

WN: "Ist es Euch als Männern sehr schwergefallen, einen Songtext zu schreiben, der Frauen aus der Seele spricht?"

Bela B.: "Nö. Eine Erklärung ist Reinkarnation. Waren wir vielleicht alle einmal Frauen in einem früheren Leben? Wer kann das sagen?"

Farin Urlaub: "Vielleicht wollten wir uns beim anderen Geschlecht auch nur einschleimen?"

WN: "Also von der wilden, skandalumwitterten Band zum zahmen Verkaufsschlager?"

Farin Urlaub: "Nee, eigentlich umgekehrt: vom totalen Verkaufsschlager zur skandalumwitterten Band. Es gibt einen Verein von Männern, der sich gegründet hat, um uns zu verklagen, weil wir Rufmord an den Männern betreiben – ist ehrlich wahr."

WN: "Und weil Ihr Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe befürchtet, habt ihr Euer Versprechen gebrochen, nie mehr als 20 Mark für eine Eintrittskarte zu verlangen?"(Anmerkung der Redaktion: Die Karte für das Ärzte-Konzert in Wolfsburg kostet 28 Mark zuzüglich Vorverkaufsgebühr.)

Farin Urlaub: "Ich habe so viele Sachen früher gesagt. Aber Fakt ist doch, daß ein Liter Milch auch teurer geworden ist. Wir hätten vielleicht vorsichtiger sein sollen: ‚Das Verhäktnis zwishcen unseren jetzigen Eintrittspreisen und einem Kilo Butter wird sich nie ändern.‘ Aber das ist ja auch Quatsch. Wir haben versucht, von 1993 bis zur diesjährigen Attacke-Royal-Tour die Preise gleich zu halten. Auf den letzten zwei Touren haben wir deshalb keinen Pfennig verdient."

Bela B.: "Wir haben Glück, daß wir so einen guten Ruf haben und die Touren immer ausverkauft waren und deshalb nicht noch Geld verloren haben."

WN: "Und weil Ihr so gut drauf seid, durftet Ihr auch mit Lara Croft ein Video machen, worum sich unter anderem ja auch die Spice Girls bemüht hatten?"

Bela B.: "Klar gab es viele, die sich die Lara Croft zunutzemachen und ein bißchen Zeitgeist demonstrieren wollten. Aber die Geschichte ist einfach die: Wir haben weder Geld geboten noch sonstwas, sondern nur da angerufen und nachgefragt und am nächsten Tag hatten wir das Okay. Die fanden halt einfach, daß wir cool genug sind."

WN: "...aber warum gerade eine computeranimierte Frau?"

Bela B.: "Die perfekte Ikone der Jetztzeit ist halt Lara Croft. Und weil unser Bassist Rodrigo Gonzalez und ich gerne Computer-Spiele spielen, sind wir auf diese Superfrau aufmerksam geworden. Okay, fürs Video ist dem Zeichner wohl im oberen Bereich ein bißchen die Maus ausgerutscht..."

WN: "Apropos Ausrutscher: Könnt Ihr Euch die noch leisten, oder schreibt Ihr jetzt dem Erfolg hinterher?"

Farin Urlaub: "Auf keinen Fall. Wir haben mal ganz klein angefangn und sind jetzt an einem Punkt angelangt, den wir uns nie erträumt hätten. Wir merken schon, daß die Konzerte sehr viel größer werden. Aber wir haben schon immer gemacht, was wir wollten, und werden das auch in Zukunft tun. Gerade jetzt, wo wor unsere eigene Plattenfirma haben."

WN: "Wie schafft Ihr es, seit 15 Jahren immer wieder eine neue Generation von Kids anzusprechen?"

Farin Urlaub: "Das wüßten wir auch gerne. Vielleicht liegt das eben daran, daß wir nie einem Trend hinterhergejagt sind. Wir haben uns nie verstellt. Wir machen einfach das, was wir lustig finden, womit wir drei leben können."

WN: "Bela, ist es eigentlich anstrengend, im Stehen Schlagzeug zu spielen?"

Bela B.: "Ja, klar, mega-anstrengend. Aber das ist halt mein Image. Ich mache das seit 1983, seit es die Band gibt. Nach dem Konzert bin ich meistens total fertig, weil wir ja zweieinhalb bis drei Stunden spielen, was übrigens auch kaum eine andere Band macht. Momentan bin ich sogar der einzige Steh-Schlagzeuger, der auf einem kompletten Schlaugzeug spielt."

WN: "Kann man sich immer neu auf eine Stadt einstellen oder läuft so eine Tour wie ein Film ab?"

Farin Urlaub: "Das kommt aufs Publikum an. Die ersten fünf, sechs Songs sind entscheidend. Wenn das Publikum da seinen Teil der Arbeit macht, wirds gut. Besonders gut sind wir drauf, wenn wir schon vor dem Konzert wissen, daß wir hinterher Sex haben werden."