(beide Artikel stammen aus der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" vom 26.09.98)


"Die Ärzte" heilen mit spöttischen Sprüchen:
Frecher Fun-Punk voller Liebe und Schmerz

"Die Ärzte", das ist bekannt, sind sehr zurückhaltende Musiker. "Wir sind die beste Band der Welt", lautet ihr Motto. Und die bescheidene Erklärung: "Einer muß den Job ja machen!" Daß "Die Ärzte" zumindest eine sehr gut Band sind, stellten sie gestern abend im CongressPark unter Beweis - in der nicht ganz ausverkauften Halle sorgten die Kult-Punker für Riesenstimmung.

Bela B. an den Drums, Farin Urlaub an der Gitarre und Rod am Baß - drei Männer reichen aus, um 3300 Menschen aus dem Häuschen zu bringen. Mit Stücken wie "Ein Lied für Dich" oder dem sehr beliebten "Mitten in die Fresse" verwandeln die drei Berliner die Halle schnell in einen Hexenkessel. Zumal die Sprüche nicht fehlen. "Früher waren wir eine satanische Band", erklärt Farin der Menge. "Jetzt sind wir eine politische Band!" Folglich empfiehlt er, am Sonntag Kohl abzuwählen. Vor allem aber warnt er die jungen Zuhörer vor NPD und DVU: "Die braucht kein Mensch", versichert der Gitarrist - der Beifal ist ihm sicher. Sicher sind der Band auch die BHs, die auf die Bühne fliegen - ein schöner Brauch bei den Konzerten der Ärzte. Der erste kommt schon nach wenigen Minuten beim Song "Party stinkt" angesaust - ein "Gold-BH", wie Farin versichert. Und immer wieder Fun-Punk vom Feinsten. "Der Graf" oder "Liebe und Schmerz" von der 14. CD, die folgerichtig "13" heißt. Oder "Sail Away", eine drollig-dreiste Cover-Version des großen Joe-Cocker-Hits. Und selbstverständlich singen "Die Ärzte" auch das Lied vom lustigen Astronauten - erlaubt ist schließlich, was den Fans gefällt. "Wir sind Publikums-Viagra aus Berlin", sagt Farin unter dem Gejohle der Zuhörer. Und fordert denn auch die brav am Rande der Halle sitzenden Fans auf, den Rest des Konzerts stehend zu verfolgen: "Ihr seid wohl die VW-Aktionäre!" Die Band kann sich jeden Spott leisten - spätestens seit ihrem Geständnis "Männer sind Schweine" gehören "Die Ärzte" zu den Superstars. Da darf sich Bela B. auch heimtückisch-höhnisch bei den Fans einschleimen ("Ich darf doch Freunde zu euch sagen?"), da dürfen sie auch Witze über Unfallopfer machen - "Die Ärzte" heilen eben auf ihre Art.



Schule geschwänzt - nur für ein Grinsen von Bela

Sie war die Allererste: Anna, 15 Jahre, aus Hannover und seit eineinhalb Jahren Ärzte-Fan, stand schon acht Stunden vor Konzertbeginnam CongressPark. "Ich will beim Konzert unbedingt in die erste Reihe", erklärte Anna. Deshal ließ sie gestern die Schule sausen und machte sich auf den Weg nah Wolfsburg - zum Konzert ihrer Band. Anna nimmt sämtliche Konzerte der Ärzte mit. Einzige Bedingung: Die Orte müssen mit dem Wochenendticket ereichbar sein. "Ansonsten wird es mir zu teuer", meint die Schülerin. Maike und Denise scheuen ebenfalls weder Kosten noh Mühen, um ihre Lieblingsband live zu sehen. Die Schwestern aus Frankfurt hatten sich bereits gestern früh gegen 3 Uhr auf den Weg nach Wolfsburg gemacht - nur um die Ärzte zu sehen. Dafür haben die beidensogar die Berufsschule geschwänzt. Und auch sie wollten unbedingt in der ersten Reihe stehen. Nicht nur, um den besten Blick auf Rod, Bela und Farin zu haben. "Wir möchten auch gesehen werden", gibt Maike zu. Die 17jährige ist sich sicher: "Die Ärzte kennen uns bestimmt." Und Denise (18) fügt hinzu: "Sie haben uns schon angegrinst." Klar, daß die beiden heute weiter zum Konzert nach Bremen fahren. Dafür nehmen sie in Kauf, im Auto zu schlafen. Natalia (15) aus Celle hat die Ärzte einmal im Zug getroffen. "Das war am 23. Januar 1996 auf der Strecke von Celle nach Hannover", den Tag vergißt die Schülerin bestimmt nie wieder. Seit diesem Tag ist sie auch Ärzte-Fan. "Die drei waren so nett", schwärmt Natalia. Einer gefiel ihr besonders: Bela. Wenn der sie beim Konzert erkennen würde...