(Rezension zum Film "Over The Rainbow" aus der WAZ vom 17.09.99
- freundlicherweise eingescannt und zugesandt von Carsten Aufermann)


Neben seiner Tätigkeit als erfolgreicher Musiker und Comicverleger hat Bela B. (Bild) noch Zeit für nicht überzeugende Aktivitäten beim Film.

Foto: Arsenal

Drei Mädchen und ein Popstar

"Over the Rainbow"

Am Anfang wird gewettet: Astrud (kein Schreibfehler!), Iris und Marie markieren die Bäume einer Landstraße mit ihren Initialen. Gewonnen hat, an wessen Baum das erste Auto mit volltrunkenen Discobesuchern knallt. Die geht an Iris. Dann die zweite Wette: Wer von den drei 15jahrigen Girls es schafft, die lokale Pop-Größe Ray rumzukriegen, darf ihn behalten. Die Gewinnerin steht noch aus.

Vermutlich, denn so ganz eindeutig lässt sich das nicht bestimmen. Was sich da im Folgenden auf der Leinwand entspinnt, ist nämlich ein kruder Mix aus unspannendem Thriller und emotionsloser Ge- fühlsduselei. Die Geschichte, die der Leipziger Regisseur Jan Peter im (Spiel?-)Film "Over the Rainbow" erzählen will, bleibt vor der fest verschlossenen Tür der ärmlichen Fabrikhalle, in die sich die drei mageren Grazien (Mareike Fell, Annett Renneberg, Mina Tander) mit der verwaschenen Karikatur einer depressiven 80er Jahre Pop-Attitude Pascal Ulli einschließen. Fakt ist, dass sie sich alle gegenseitig als Psychopathen entlarven und wild beschimpfen. Die Erklärung dafür findet sich im Untertitel des Werkes: "Sehnsucht ist eine Droge". Und tatsächlich, Drogen gibt es in diesem Film / Video-Glip genug: in Pillen-, Tüten- und Flaschenform. Nur Visionen gibt es keine. Bei aller wirren Anbiederung an den Zeitgeist der Neuen Bundesländer (Diesel, Replay, Kookai) haben es die Darsteller schwer, eine gute Figur zu machen. Obendrein beweist Bela B., bekannt als Stehschlagzeuger der Ärzte, in der Rolle eines unglaubwürdigen Gewaltver- brechers, dass die Schauspielerei seine Sache nicht ist. Er hätte vielleicht besser zur Musik beitragen sollen. Die immerhin ist hörbar und versucht mit treibenden Beats sowie träumerisch düsteren Versionen von "Somewhere over the Rainbow" (Nina Miranda) und dem Eurythmics-Klassiker "Sweet Dreams" (Desert Hearts) eine Spannung zu erzeugen, die in den Bildern einfach nicht drinsteckt.

Elke Bankert