DIE ÄRZTE
>>Jazzt anders<<
Text: Walter Wacht

Zehn Studioalben haben die ärzte in ihrer fünfundzwanzigjährigen Geschichte
veröffentlicht, daneben unzählige Singles, Live-Alben, EPs, Compilations und
allerlei anderes. Und immer wusste man, wohin die Reise geht. Nun das hier: Klar,
das sind die ärzte. Aber auf »Jazz ist anders« machen ›Die Künstler‹ eben auch
vieles anders. Hörbarer für z.B. all diejenigen, die bisher von all dem nichts
wissen wollten. Den Eindruck vermittelt die Vorab-Kassette (Siehe Foto, der Walkman
wurde mitgeliefert): die erste Hälfte lässt sich in einem Rutsch weghören, die
zweite hingegen ist komplizierter. Das neue Album, ab November überall, dazu Single,
Tour und Sonderverpackungen. Man möge das ungewöhnliche Thema bitte nachssehen: Eine
schnelle Übersicht.


»Himmelblau«, »Lied vom Scheitern«, »Breit«, alles einwandfreie Rock-Hymnen mit
hoher Eingängigkeit, großem Ego und ohne größere Experimente. »Lasse redn« geht mit
Synthesizer-Flackern, Kuhglocken und Singalong-Muster schon eher in Richtung
Bierzelt-Seligkeit. »Junge«, eine Single wie sie sein muss: »Löcher in der Nase, und
ständig dieser Lärm / elektrische Gitarren, und immer diese Texte, das will doch
keiner hören«, singen die ärzte in einer mütterlich-besorgten Hymne auf die
Adoleszenz des Sohns: »Und wie Du wieder aussiehst«. »Nur einen Kuss« wiederum setzt
auf Morricone-Spaghetti-Western-Ästhetik, das gute alte Motiv des Betrugs in der
Beziehung und Rachemord: »Ich schnitt den Fremden auf, bloß ein kleines Stück / und
ich holte mir mein Herz zurück (...) Dann kehrte ich heim, doch geküsst habe ich nie
mehr / denn ich, glaube nicht mehr an die Liebe«.

DieÄrzte Das Band ist mittlerweile auf der B-Seite angekommen, »Licht am Ende
des Sarges« läuft, inhaltlich könnte man es als Melange aus »Monsterparty« und »Der
lustige Astronaut« bezeichnen. Auch das daran anschließende »Niedliches Liebeslied«
lässt keine Reimfalle aus; der Promozettel versprach es, hier hat man es auf Band:
»Sing Shalala und Shalalu, ich hoff so sehr, das weißt auch Du / Sing Shalalu und
Shalala, wenn du mich rufst dann bin ich da«. In »Deine Freundin (wäre mir zu
anstrengend)« ergeben sich die ärzte ganz den Siebzigern, Soul und Disco, da muss
natürlich die Vocoderstimme gegen Ende nochmal rein. Aber zu anstößigeren Dingen:
Das Info erwähnt es, »die ärzte-CDs gibt es schon immer ohne Kopierschutz. die
ärzte-Alben gibt es immer auch auf Vinyl. die ärzte-Downloads werden (wo das möglich
ist) ohne DRM angeboten. Jede Vinyl-Version von ›Jazz ist anders‹ beinhaltet die
Option zum kostenlosen Download der MP3-Version.« Vorbildlich! Andererseits fordern
die ärzte den Respekt der Hörer: In »Tu das nicht« bittet Bela B. zunächst um
Verständnis für den Künstler, »oder willst Du das mein Herz zerbricht?«. Nur um kurz
darauf einem Wutausbruch gleichkommend festzustellen: »Du raubkopierst und saugst
Dir die Musik / dass Du dich nicht genierst, da draußen da herrscht Krieg. / Du
nimmst Dir die Songs für umsonst und für lau / Die Polizei jagt Dich und die steckt
Dich in den Bau (...) Für Dich Du Schwein ist jetzt alles zu spät, das kommt davon
wenn man illegal Musik runterlädt«.

»Jazz ist anders« von die ärzte wurde in drei Monaten in den Berliner Tritonus
Tonstudios aufgenommen, die ärzte haben alle Stücke im Alleingang produziert.
Erscheinen wird es am 02. November als CD, Vinyl und MP3-Download, die CD-Variante
wird als Pizzabox verpackt geliefert. Die Single »Junge« kommt schon am 05. Oktober
und enthält neben zwei weiteren neuen Stücken das Video zu »Junge« in der
ungekürzten Fassung.


Quelle: http://www.spex.de/266/artikel.html (mittlerweile nicht mehr online)