(Quelle: Lausitzer Rundschau vom 21.09.98, Artikel von Heiko Portale)


Gute Frage: "Wie fit seid ihr?"

Höllisches konzertantes Tempo:
Die Ärzte vor 3000 Fans in der Cottbuser Messehalle

Eine Frage, die wirklich ihre Berechtigung hatte. Rief sie doch Farin Urlaub nach zwei Stunden höllischen konzertanten Tempos ins Publikum, ohne daß ein Ende abzusehen war. Die Ärzte waren am Samstag im Cottbuser Messezentrum vor knapp 3000 Leuten - von der sechsjährigen Anna bis zum 57jährigen Rockrentner". Und die Ärzte in Hochform. Die drei Typen auf der Bühne haben eine Power, daß selbst nach der vierten Zugabe ein scheinbar locker entspannter Farin Urlaub immer noch auf der Bühne hüpfte, als hätte er sich nur mal kurz 'nen Burger geholt oder Bela B. trommelt, als hätte er Gummiarme und für Rodrigo Gonzalez muß Transpiration ein Ding aus vergangener Zeit sein. Mit einfachsten Mittel: Eine Bühne, drei Mann, buntes Licht und ein paar Watt aus den Boxen, wird der Saal, egal wie groß er auch sein mag, zur Partyzone erklärt, und man kann in kürzester Zeit bis zur Erschöpfung tanzen, springen oder schreien. Irgendwann wurde auch klar, wieso auf der Tribüne kein einziger Platz mehr zu haben war, denn nach der Hälfte des Konzerts wurden vielen die Beine immer schwerer und die, die saßen, lachten sich ins Fäustchen. Die Beleuchter verwandelten Bühne und Publikum je nachdem in Seidenmatt, Sternenhimmel oder Umfluter. Anerkennung! Der erste Gag fand aber schon am Einlaß statt: Die Eintrittskarten. Das Foto darauf entsprach dem "Max"-Cover und wurde genau an der Stelle von den Kontrolleuren abgerissen, wo Bela und Farin ihr Empire State Building entwickeln, wenn sie es wollen. Wer also etwas später kam, lief dann über knapp 6000... Na ja. Da auch in den Texten oder bei den Sprüchen öfter über "Geschlechter" gesprochen wurde, muß man sich fragen, ob die sechsjährige Anna nicht besser zu Hause geblieben wäre. Tragisch, wie bei so vielen Konzerten in der Messehalle war der Sound drinnen und die Gestaltung der Wände außerhalb der Hallen. Wenn Carmen Nebel und der Schwarzmeerflotten Chor als nächste Highlights empfohlen werden, weiß man als Ärzte-Fan, daß man in der nächsten Zeit wohl besser einen weiten Bogen um die Halle machen sollte. Und der Einstimmung auf das Konzert war das wohl auch nicht besonders dienlich. Darauf ein Pils, dachte man sich.