Aus: KOMM UNITY 2000
Das Magazin zum Popkomm.Festival, S. 29
(Liegt bei WOM aus)
Freundlicherweise abgetippt von Nina



„Wir haben gerade eine ziemliche Dadaisten-Phase.“

Seit 1982 sind Die Ärzte das Gütezeichen für punklastigen Rock’n’Roll mit witzig-derben Texten. Zurzeit (sic!) arbeiten sie an ihrem neuen Studio-Album, das im Oktober erscheinen soll. Das Komm.Unity Magazin bekam das einzige Vorab-Interview und fragte Sänger und Gitarrist Farin nach dem Stand der Dinge.

Komm.Unity: Im Herbst soll euer neues Studio-Album erscheinen. In welchem Stadium befindet ihr euch zurzeit?

Farin: Im Stadium der Euphorie! Wir haben die Stücke komplett aufgenommen. Jetzt hören wir sie durch und verfeinern noch ein bisschen. Das ist eigentlich jetzt die Zuckerbäckerphase.

Wie lange dauern die Arbeiten am Album insgesamt?

Alles in allem zwei Monate. Davor gab es natürlich noch die Phase, wo wir zu Hause Demos gemacht haben.

Ihr kommt also mit den fertigen Stücken ins Studio?

Ja, genau. Es gibt wohl viele Bands, die das zu meiner Überraschung anders machen und vieles erst im Studio entwickeln.

Wie viele Stück habt ihr eingespielt?

Wir haben meistens immer viel zu viel Material. Diesmal haben wir uns auf 33, 34 Songs geeinigt. Die kommen natürlich nicht alle auf die Platte. Manche werden dann B-Seiten etc.

Setzt ihr euch zusammen, bevor ihr die ersten Demos produziert und gebt eine Richtung für ein neues Album vor?

Überhaupt nicht. So etwas geht bei uns immer in die Hose. Wir nehmen grundsätzlich alles auf, ob das ein Death-Metal-Song ist oder Salsa. Jeder muß bei uns für alles offen sein. Ich habe manchmal so Anwandlungen. Wenn mir eine Platte besonders gut gefällt, sag‘ ich schon mal: „Lasst uns doch mal etwas in dem Sound machen.“ Aber die anderen lachen mich dann meist nur aus und sagen: „Hey, wir sind Die Ärzte.“

Hast du trotzdem eine Idee, wie diese Die Ärzte-Platte im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen klingen wird?

Es wird auf jeden Fall ein sehr lautes Album. Aber wir haben die Auswahl der Stücke noch nicht getroffen.

Laut im Sinne von Punk oder Metal.

Für echte Metaller haben wir ja viel zu viel Humor. Es ist einfach ein Album mit lauten Gitarren und einem fetten Schlagzeug. Aber wir haben natürlich auch Stücke, die ganz anders sind. Die erste Single wartet zum Beispiel mit einer kleinen Überraschung auf: Es fängt an wie : ‚Ach, ja – da sind Die Ärzte wieder.‘ Aber dann wird es doch ziemlich skurril. Der Arbeitstitel ist übrigens „Wie es geht“.

Klingt ja ziemlich kryptisch.

Tatsächlich haben wir auf dem neuen Album viele Stücke, die lyrisch ziemlich absurd sind. Wir haben ja oft Texte, die kleine Geschichten erzählen, und die werden nun zum Teil abstrusen Reimen und Sprachspielen geopfert. Wir haben, glaube ich, gerade eine ziemliche Dadaisten-Phase.

Gibt es literarische Vorbilder?

Ne, ich glaube der Auslöser liegt darin, dass wir immer freier werden. Und das hat damit zu tun, dass wir mit der Musik so viel Geld verdient haben, dass wir uns um nichts mehr Gedanken machen müssen. Wir nutzen diese Unabhängigkeit als Ticket zur absoluten künstlerischen Freiheit und scheißen auf Verkaufserwartungen und tolle Marketingkonzepte.

Euer Auftritt ist eines der Highlights der Popkomm. Werdet ihr dann bereits die Songs der neuen Platte spielen?

Höchstens die Single und ein, zwei Stücke. Wenn wir neue Songs spielen, stehen die Fans da und hören einfach nur zu. Popkomm ist für uns aber `ne Party.  Und das verdirbt dann ein bisschen die Stimmung. Also geben wir einfach nur Vollgas.
 

Alter Wartesaal – Einlass: 20 Uhr / Beginn: 21 Uhr – VVK 20 DM
Die Ärzte (beste Band der Welt) stellen ihre neue CD vor.

Die Ärzte werden während der Popkomm, vom 17. bis 19. August auf einem Schiff residieren. Der Dampfer legt in Köln direkt vor dem Hyatt (Nähe Hohenzollernbrücke) an. Bringt also alle Ferngläser mit, Schlauchboote oder sonstigen Piratenunfug solltet ihr zu hause lassen. Das ist auf dem Rhein zu gefährlich!