(aus dem "Hamburger Abendblatt" vom 26.8.98)


Die Ärzte im Stadtpark - spontan, ironisch, ehrlich

Natürlich wartete im ausverkauften Stadtpark alles auf "Männer sind Schweine", den Mega-Hit der Ärzte. Doch das Berliner Trio funktioniert anders als die meisten Popbands. Erst im fast einstündigen Zugabenteil stimmten Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzalez den Song an, den Gesangspart überließen die drei ihren Fans. Die Ärzte sind bei allem Erfolg keine Hitmaschine, die auf die Bühne geht, um die vorgefaßten Erwartungen des Publikums zu erfüllen. Die Auftritte leben von der Spontaneität der drei Musiker, von dem Flachs, der bei Ansagen zwischen den dreien blüht und von der Selbstironie. Denn die Ärzte wissen, daß sie die Popmusik nicht erfunden haben. Und deshalb ziehen sie über Kollegen her, stellen deren peinliche Posen zur Schau, plündern die Genres und spielen ihre im Punk wurzelnden Songs als Reggae- oder Rockabilly-Version. Immer wieder betonen sie, "die beste Band der Welt" zu sein, auch das natürlich eine maßlose Übertreibung. Um den Titel der "lustigsten Band der Welt" können sie aber mühelos konkurrieren. Die Ärzte sind ehrlich und sie lieben ihre Fans. Stargehabe kennen sie nicht. Wenn Farin Urlaub in seinem leicht federnden Gang über die Bühne zu seinem Mikrophon geht, hat das so gar nichts von Glamour und Aura. Der Sänger und Gitarrist ist einfach nur freundlich und nett. Und pünktlich. Punkt 19 Uhr standen die Ärzte auf der Bühne und absolvierten eine dreistündige Show ohne große Pausen. Auch dafür werden sie von ihren Fans geliebt: von dem Punk mit den blau gefärbten Haaren, der Hausfrau mit den zwei Kindern und dem Studenten mit dem Eastpak-Rucksack. Alle drei Konzerte im Stadtpark sind ausverkauft. 12 000 Fans wollen die Ärzte sehen. Heute singen sie noch einmal über "Goldenes Handwerk", "Madonnas Dickdarm" "Schrei nach Liebe" und "Westerland". (oeh)

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© Hamburger Abendblatt 26.8.1998