Regina Gehring leitet "Aktion - Junge Menschen in Not"  
(Mittwoch , 02. September 1998)

 Quirliges Treiben zur Eröffnung der Sophie-Scholl-Schule  
(Mittwoch , 02. September 1998)

 41jähriger beraubte seine eigene Ehefrau  
(Mittwoch , 02. September 1998)

 Handball: Fünf verschiedene Turniersieger in Reiskirchen  
(Dienstag , 01. September 1998)

 Kappungsgrenze entfällt: "Welle von Mieterhöhungen ist derzeit nicht absehbar"  
(Dienstag , 01. September 1998)

 Betriebsrat kämpft um das Bahnbetriebswerk  
(Dienstag , 01. September 1998)

 Ab Dienstag sollen weniger Laster durch den Seltersweg fahren  
(Dienstag , 01. September 1998)

 Rechtschreibreform: Der Kackadu bleibt uns (vorerst noch) erspart  
(Samstag , 29. August 1998)

 Die Rechtschreibreform will Sprache logischer machen ...  
(Mittwoch , 05. August 1998)

 An Polio erkrankte Frauen: Informieren besonders wichtig  
(Samstag , 13. Juni 1998)

 Kinoknüller für Cineasten, aber auch für Action-Fans  
(Mittwoch , 03. Juni 1998)

 
 "Ärzte" auf dem Schiffenberg: Es regnete Bambis und Büstenhalter  
(Donnerstag, 03. September 1998)

aerzte

Mehr als 5000 Besucher beim ausverkauften Konzert - Viel Rock fürs Geld



Von Ingo Berghöfer

GIESSEN. Von wegen "Männer sind Schweine". Als höfliche und zuvorkommende Exemplare dieses geschmähten Menschenschlags präsentierten sich die "Ärzte" bei ihrem ausverkauften Konzert gestern abend auf dem Schiffenberg. Die drei aus Berlin mühten sich redlich, jeden Wunsch ihres Publikums zu erfüllen. Kein leichtes Unterfangen bei 13 ebenso berühmten wie berüchtigten hit-gesättigten Alben.

"Das ist echt geil!", freuen sich Philipp und Christoph, auch wenn sie kaum etwas sehen, als Bela B. zum wiederholten Mal "Nie wieder Krieg" anstimmt, einem Lied, das - wer hätte das gedacht - vom Laster des Hütchenspiels handelt. Die Anfangsakkorde des Stücks von der aktuellen CD haben es dem Gitarristen so angetan, daß er es den ganzen Abend über immer wieder beginnt. "13" heißt die neue CD der Ärzte, 13 Jahre alte sind die beiden Freunde, die mit Philipps 20jähriger Schwester aus Echzell bei Bad Nauheim zum Schiffenberg gekommen sind. Als Bela B. und Farin Urlaub das Lied vom "lustigen kleinen Astronauten" schrieben, als 1983 die Neue Deutsche Welle in die Hitparaden schwappte, waren die beiden noch gar nicht auf der Welt. Als "Ärzte"-Platten wegen ihrer provokanten Texte auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften standen, gingen sie in den Kindergarten. Doch das hindert die beiden an diesem Abend nicht, wie ein Großteil des Publikums jeden Text fehlerfrei mitzusingen.

Weder die Querelen um Lieder wie "Geschwisterliebe", noch die sechsjährige Karrierepause auf dem seinerzeitigen Höhepunkt ihrer Popularität haben den "Ärzten" geschadet. Im Gegenteil. Mit der beschwingten (anti?)feministischen Hymne "Männer sind Schweine" gelang den bekennenden Punk-Rockern im 15. Jahr ihres Bestehens ihr bislang größter Hit.

Ihr Publikum ist in diesen anderthalb Jahrzehnten nicht nur mitgegangen, sondern auch nachgewachsen. Heute regnet es Teddybären und Büstenhalter, wenn die "Ärzte" spielen. (Naß wurde gestern nur, wer bei den lockeren Ska-Rhythmen der Vorgruppe in einem kurzen Regenschauer mitwippte). Alle Gaben werden dankend angenommen, der BH ziert Rod Gonzales' Gitarre, das Plüsch-Bambi erhält einen Ehrenplatz neben Bela B's Stand-Schlagzeug.

Vor der Bühne ballen sich noch immer überwiegend die Teenager. Ist man über 1,80 Meter groß, hat man deshalb auch noch in der 30. Reihe freie Sicht auf die Bühne, vorausgesetzt man kann sich auf den Beinen halten, denn der fast vergessene Pogo, das Tanz genannte wildfröhliche Umherschupsen seiner Mitmenschen, feiert auf dem Schiffenberg ein Comeback. Dennoch erleben die Ordner einen ruhigen Abend. Nur einmal müssen sie handgreiflich werden, als zwei Fans in die äußersten Wipfel eines Baums klettern und dort so wild herumschaukeln, daß sie aufs Publikum herabzustürzen drohen.

Die "Ärzte" spielen sich an an diesem Abend querbeet durch ihr großes Schaffen (ohne es dabei bloß abzuspulen). Viele Songs von "13" und dem Konzept-Album "le Frisur", fast vergessene Perlen aus ihrer Frühzeit und natürlich immer wieder Hits "Wie am ersten Tag", "Gwendoline", "Westerland" und "Ist das alles"

Ist das alles? Natürlich nicht. Auch die berühmten Cover-Versionen kommen auf dem Schiffenberg zu ihrem Recht. So vergreifen sich die Ärzte an diesem Abend nicht nur am "Deep Purple-Klassiker" "Child in Time", sondern auch am aktuellen Madonna-Hit "Frozen" und dem Disco-Tanzbodenfeger "Horny", all das wird hart, laut und immer schneller gespielt, kaum ein Song über zwei Minuten, leider auch kaum eine Ballade, wie der schaurig-schöne Nachruf auf Dracula "Der Graf". Aber fehlt da nicht noch etwas? Das Lied mit den maskulinen Borstentieren, das haben die "Ärzte" gestern nicht serviert, jedenfalls nicht bis Redaktionsschluß. Da spielte sich die nach eigenem Bekunden "beste Band der Welt" gerade als x-te Zugabe durch ein "Queen"-Medley. Viel Rock fürs Geld.