DIE GESCHICHTE DER ÄRZTE


1980/1981 lernen sich der damalige Dekorateurs-Lehrling "Bela B." (bürgerlicher Name: Dirk Felsenheimer, geb. 14.12.62) und der Gymnasiast "Farin Urlaub" (bürgerlicher Name: Jan Ulrich Max Vetter, geb. 27.10.63) in der Berliner Diskothek "Ballhaus Spandau" kennen, in der einmal pro Woche auch Punk gespielt wird. Kurz darauf steigt Farin bei Belas Band "Soilent Grün" ein, die seit 1979 besteht und die sich in Ahnlehnung an den Science Fiction-Film "Soylent Green" (deutscher Titel: "2022: Die überleben wollen" - in dieser Geschichte geht es um ein aus Leichen hergestelltes Nahrungsmittel namens "Soilent Grün") benannt hat. Das erste gemeinsame Konzert findet am 30. Mai 1981 auf dem Gelände eines Krankenhauses in Berlin-Spandau statt.


1982 veröffentlichen Soilent Grün ihre einzige Single "Die Fleisch EP" und lösen sich nach einem letzten Konzert beim "Tanz in den Mai" im Berliner "SO 36" (Vorgruppe: Die Toten Hosen, die sich erst wenige Tage vorher gegründet hatten! ) am 30.4.82 auf.

Zusammen mit dem von der Gruppe "Frau Suurbier" abgeworbenen "Sahnie" (Hans Runge, geb. 12.06.64) gründen Bela B. und Farin noch 1982 "DIE+ÄRZTE": Bela ist am Schlagzeug, Farin an der Gitarre und Sahnie am Baß; für den Gesang sind vor allem Bela und Farin zuständig. In einem besetzten Haus findet am 26.09.82 das erste Konzert statt.


Im Februar 1983 erscheint bei dem Independant-Label "Vielklang" der Punkrock-Sampler "Ein Vollrausch in Stereo - 20 schäumende Stimmungshits": Zusammen mit den Gruppen "Deutsche Trinkerjugend (DTJ)", "Frau Suurbier", der "Panzerknacker AG", den "Zapfhahnjodlern" und den "Tangobrüdern" (mit Sahnie sowie Campino, Kuddel und Wölli von den heutigen Toten Hosen!!!) veröffentlichen die Ärzte hier ihre allerersten Tracks "Zum Bäcker", "Zitroneneis" und "Vollmilch". Auf dem gleichen Label bringen sie wenig später mit der EP-Single "Zu schön, um wahr zu sein" ihre erste "eigene" Platte heraus.


1984 gewinnen die Ärzte den Berliner Senatsrockwettbewerb und stecken das Preisgeld in die Produktion der Mini-LP "Uns geht's prima", die ebenfalls bei Vielklang veröffentlicht wird und wochenlang an der Spitze der Indie-Charts steht, nachdem die Platte sogar wohlwollende Beachtung in der "Bravo" gefunden hat. Per Gerichtsbeschluß erwirkt das Deutsche Rote Kreuz, daß dessen Erkennungssymbol (rotes Kreuz auf weißem Grund) nicht von den Ärzten benutzt werden darf, weshalb das ursprüngliche Cover der "Uns geht's prima" geändert werden muß. 

Durch die ersten kleinen Erfolge werden auch die großen Plattenfirmen auf die Band aufmerksam, wodurch es zum Vertrag mit der "CBS Schallplatten GmbH" kommt. Es folgt die ersten LP "Debil", die äußerst poppig klingt.


1985 werden die Ärzte zu "Filmstars": Im Film "Richy Guitar" spielt das Trio (na, was wohl?) eine junge Rock-Band bei ihren ersten Gehversuchen. Nachdem der Film fertiggestellt ist, wird das Album "Im Schatten der Ärzte" herausgebracht.


Mitte 1986 kommt es zum Streit mit Sahnie, der mittlerweile ein Studium der Betriebswirtschaftslehre begonnen hat. Bela und Farin werfen ihm vor, daß ihm Geldverdienen und Groupies wichtiger seien als die Musik der Band. Mit einer Abfindung in Höhe von 10.000 DM werden sie ihn los. Nach der Trennung von ihm machen Farin und Bela zunächst als Duo weiter und veröffentlichen das Album "Die Ärzte".

Am 20.10.86 treten die Ärzte bei einem Benefiz-Festival (zusammen mit etwa 20 anderen Bands, u.a. den Toten Hosen) zugunsten des "Wahren Heinos" im Berliner "Tempodrom" erstmals seit der Trennung von Sahnie wieder live auf. Dabei präsentieren sie ihren neuen Bassisten "The Incredible Hagen" (Hagen Liebing, geb. 18.2.61, damals Student der Medienwissenschaften), der vorher bei der Berliner Band "Nirvana Devils" gespielt hat. Hagen bekommt einen Bassberater-Vertrag und erhält den Status eines "Assistenz-Arztes".


1987 kommt es zur Konfrontation mit der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften": Wegen der Texte der Lieder "Claudia hat 'nen Schäferhund", "Schlaflied" und "Geschwisterliebe" wandern die Alben "Debil" und "Die Ärzte" auf dem Index. Somit dürfen diese Platten nur noch an volljährige Personen verkauft werden. Geworben werden darf für sie überhaupt nicht mehr, weshalb diese Alben eigentlich fast nie in den Regalen der Plattenabteilungen zu finden sind. Wenn überhaupt, dann sind sie nur auf konkrete Nachfrage (meist an der "Info-Theke") hin erhältlich.

Auf diese Zensur reagieren die Ärzte, indem sie einige der auf den indizierten Platten veröffentlichten Songs (vor allem des noch relativ neuen Albums "Die Ärzte") zusammen mit anderen alten und neuen Liedern auf zwei neue Alben verteilten: Auf das frei verkäufliche Album "Ist das alles? - 13 Höhepunkte mit den Ärzten" sowie die mit den indizierten Stücken gespickte Mini-LP "Ärzte ab 18", welche deshalb auch nur mit Altersnachweiß zu haben ist. Bei Konzerten ist es den Ärzten zwar verboten, die 3 indizierten Lieder zu singen, spielen dürfen sie sie aber: Vor allem "Geschwisterliebe" wird bei den Konzerten immer mal wieder angestimmt und wird dann halt von den Fans selber gesungen...

Zu einem weiteren Skandal kommt es am 12.10.87 bei der Liveübertragung eines Ärzte-Konzertes in der TV-Sendung "Live aus dem Alabama", bei der sich die Ärzte über den Tod des wenige Tage zuvor verstorbenen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, auslassen. Nach Zuschauerprotesten muß sich der Bayerische Rundfunk in aller Form entschuldigen und verhängt ein (später offensichtlich aufgehobenes) Ärzte-Boykott.


Noch kurz bevor Ende April 1988 das neue Album "Das ist nicht die ganze Wahrheit..." erscheint, fällt der Startschuß zur nächsten Tournee. Erst gegen Ende dieser Tour wird klar, daß es sich um die letzte handeln soll: Am 9. Juli 1988 findet im Kursaal des Sylter Ortes Westerland das vorläufige Abschiedskonzert statt. Zur Begründung für die Trennung erklären die Ärzte, sie hätten Angst, in Zukunft auch mal schlechter werden zu können und wollen deshalb auf dem Höhepunkt ihrer Karriere abtreten. Erst später ('93) fügen sie hinzu, daß es 1988 Probleme mit der Kreativität gegeben hat und sie sich deshalb lieber in andere musikalische Richtungen bewegen wollten, zumal sie sich noch jung genug gefühlt hätten, nochmal von vorne anzufangen.

Zum Abschied erscheint zunächst im Herbst '88 das Dreifach-Live-Album "Live - Nach uns die Sintflut" (das Platz 1 der LP-Charts erreicht und zum meistverkauften deutschen Dreifach-Album aller Zeiten wird) und das Video "Die Beste Band der Welt (...und zwar live!)".


1989 wird der Abschied fortgesetzt: Zunächst wird auf dem Label "Vielklang" das Album "Die Ärzte früher / Der Ausverkauf geht weiter" veröffentlicht, welches sämtliche Stücke aus der Zeit bei dieser Plattenfirma ('83/'84) und 4 weitere (davon 2 offenbar neu aufgenommene) enthält.

Danach erscheint die letzte Single-Auskopplung aus dem Album "Das ist nicht die ganze Wahrheit...", nämlich "Bitte, bitte". Recht werbewirksam geraten die Ärzte dabei nochmals in die Schlagzeilen, weil sie beim dazugehörigen Video-Clip Deutschlands damalige Porno-Königen Nr.1, Teresa Orlowski, mitmischen lassen. Betrachten läßt sich dieses Machwerk neben anderen Clips und einigem Livematerial auf dem Video "Die beste Band der Welt (...und zwar live!) II", das offiziell nur an Volljährige verkauft werden darf.

Noch mehr von den Ärzten gibt es auf dem Sampler des SFB-Schülermagazins "Moskito" namens "Moskito Songs" zu hören, auf dem sich gleich 6 "Teenager-Tragödien" ansammeln. Dabei handelt es sich um alle bis zu diesem Zeitpunkt von B-Seiten bekannten "Gabi & Uwe-Lieder" und einen bislang unveröffentlichten Song ("Gabi und Uwe in Liebe und Frieden").

"The Incredible Hagen" (Hagen Liebing) produziert auf "Vielklang" den Sampler "Wir warten auf die Lindenstraße", auf dem sich auch ein von Hagen geschriebenes und zusammen mit Bela und Farin eingespieltes Lied befindet. 

Auch Hagen's Vorgänger am Baß, Sahnie, erscheint wieder auf der Bildfläche: Er und die "EMI Electrola" versuchen mit dem Solo-Album "Er(z)ste Sahne" wohl auch noch etwas am mittlerweile kommerziellen Erfolg der Ärzte teilzuhaben; gelungen ist es ihnen offensichtlich nicht.

Zusammen mit einigen anderen Musikern nimmt Bela B. auf eigene Kosten und innerhalb von nur 5 Tagen ein Mini-Album mit dem Titel "Get Wise, Get Ugly, Get Sump" auf, das größtenteils aus Coverversionen besteht und unter dem Pseudonym "S.U.M.P." veröffentlicht wird. Mitglied dieses Spaßprojektes ist ein gewisser Rodrigo González, der vorher bei den (sehr erfolgreichen) "Rainbirds" gespielt hat und später einmal Bassist der Ärzte werden soll...


Den allerletzten Ärzte-Rest bekommt der geneigte Käufer dann 1990: Auf dem Sampler "Moskito Songs II" findet sich abermals ein vorher unveröffentlichter Track ("Schlechte Noten") und als "Bela B. & Jan" beteiligen sich Bela und Farin mit einen neuen Lied am "Werner - beinhart!"-Soundtrack.

Parallel basteln Farin und Bela an ihren eigenen Bands, die beide die englische Sprache bevorzugen: Farin gründet die Gruppe "KING KØNG", von der zunächst das Album "King Who?" und später als Toursingle die "Complete Mahaze"-EP erscheint, während sich Belas Band "DEPP JONES" nennt und das Album "!Return To Caramba!" veröffentlicht. Gitarrist von "Depp Jones" wird Rodrigo Gonzálezr, der ja bereits beim Spaßprojekt "S.U.M.P." dabei war.


1991 veröffentlichen King Køng das Album "General Theory" und Depp Jones das Mini-Album "Welcome To Hell".


1992 erscheint von King Køng das Album "Life Itself Is Sweet, Sweet, Sweet".

Depp Jones veröffentlichen im Oktober das Album "At 2012 A.D.", an dem die Gruppe 1 ½ Jahre gefeilt hat. Im November jedoch wird der Band von ihrer Plattenfirma "Sony Music" (ex-"CBS") mitgeteilt, daß diese von einer weiteren Zusammenarbeit absieht, da sich kein kommerzieller Erfolg einstellen will: Das neue Album erhält somit keine Promotion. Depp Jones lösen sich wenig später frustriert auf.


1993 spielt Bela zunächst bei zwei Bands ("Crashland" und "Pearl Harbour") Schlagzeug, von denen in dieser Zeit jedoch keine Tonträger veröffentlicht werden.

Nachdem Farin ihm einige Demos für neue Songs vorgespielt hat, schafft er es, Bela zu einem Comeback der Ärzte zu überreden. Bassist wird Rod González (bürgerlicher Name: Rodrigo Andres González-Espindola, geb. am 19.05.68 in Valparaíso/Chile), der vorher schon bei Depp Jones Mitglied gewesen ist. Kurz darauf erscheint das ganzseitige Inserat "Beste Band der Welt sucht Plattenfirma" im Branchenblatt "Musikmarkt", auf das sich u.a. die "Metronome" meldet, die schließlich den Zuschlag erhält und bei der die Ärzte bis Ende 1996 bleiben.

Im Oktober erscheint endlich das neue Album "Die Bestie in Menschengestalt", welches um einiges härter als das alte Material klingt. Trotzdem sind die Ärzte zukünftig kommerziell erfolgreicher als jemals zuvor. Das Bühnen-Comeback wird am 29.10.93 im Bielefelder "PC69" gefeiert. Die darauf folgende Tournee ("Plugged-Tour") dauert bis Dezember und wird ebenfalls ein voller Erfolg.


Das Jahr 1994 bringt uns zunächst mal wieder einen neuen Sampler: Mit "Das Beste von kurz nach früher bis jetze" macht die "Sony Music Entertainment" (Sony hatte mittlerweile die amerikanische "CBS Records Inc." und damit auch deren deutsche Tochter-Gesellschaft "CBS Schallplatten GmbH" aufgekauft) von Ihrem Recht aus dem alten Vertrag zwischen den Ärzten und der CBS Gebrauch, ein weiteres Ärzte-Album zu veröffentlichen. Da die Ärzte glücklicherweise Einfluss auf die Auswahl der Songs nehmen können, kommt letztendlich ein interessanter Sampler zustande, der haufenweise Raritäten und neue Remixe enthält.

Wegen der großen Resonanz auf die '93er Konzerte gehen die Ärzte nun zwischen März und Juni auf eine ausgedehnte Tournee ("Tour-Tour"), bei der sie an manchen Orten mehrere Konzerte in Folge geben (z.B. 3 Konzerte in Hannover, Köln und Heilbronn und sogar gleich 5 Auftritte in Hamburg). Das liegt allerdings auch daran, daß die Ärzte wegen der in ihren Augen schlechteren Atmosphäre in den ganz großen Hallen lieber in etwas kleineren Sälen spielen und die Nachfrage dann eben durch mehrere Konzerte befriedigen wollen (diese Einstellung wird sich noch ändern!). Im Sommer mischt die Band dann noch auf einigen Festivals mit, u.a. als Headliner beim "Bizarre-Festival" am 20.8.94 in Köln.

Für die großen "Kiss"-Fans Bela und Rod geht ein Traum in Erfüllung, als die Ärzte auserwählt werden, einen Track zum offiziellen Kiss-Tribute-Sampler "Kiss My Ass" beisteuern zu dürfen. Ursprünglich sind allerdings Die Toten Hosen Kiss' erste Wahl für den Deutschen Beitrag zum Album gewesen: In den Medien wird verbreitet, daß Kiss unbedingt auf ein deutschsprachiges Lied bestanden hätten, was die Hosen dann abgelehnt haben, nicht aber die Ärzte, die dann die "German Version" von "Unholy" aufgenommen haben. In einem '95er Interview erklärt hingegen Bela, daß die Ärzte den Zuschlag deshalb erhalten hätten, weil die Hosen auf die Deutschen Single-Rechte an dem bereits aufgenommenen Song "Do You Love Me?" bestanden haben, was Kiss wiederum gar nicht gepaßt hat. Wie auch immer, "Do You Love Me?" ist jedenfalls später auf der '96er Hosen-Maxi "Bonnie & Clyde" als Bonus-Track erschienen.


Was sie den Toten Hosen eigentlich nicht nachmachen wollten (sowas hatten DÄ noch 1993 ausgeschlossen), tuen die Ärzte im April 1995 dann doch, indem sie eine kurze, geheime Tournee durch kleine Clubs machen. In Köln z.B. erfährt die normale Fan erst am Tag des Konzertes durch die örtliche Boulevard-Presse vom Auftritt seiner Lieblingsband, um sich dann um eines der nur 500 Tickets kloppen zu können. Nur Fanclub-Mitglieder wissen vorher von dieser "Mini-Tour" und haben die Möglichkeit, Karten vorzubestellen. Bei den Konzerten kann man das neueste Machwerk der Ärzte zu erwerben, die EP-Single "1,2,3,4, - Bullenstaat!", auf der sich ausschließlich Cover-Versionen befinden und die es nicht im Handel gibt. Die Konzerte nutzen die Ärzte ausgiebig, die Reaktion der Fans auf neues Material zu testen.

Einige der so konzerterprobten neuen Songs landen schließlich auf dem am 18. September erscheinenden Album "Planet Punk", dem bislang härtesten Longplayer der Ärzte, der es bis auf Platz 2 der Charts schafft (knapp hinter Pur's "Abenteuerland"!). Die restlichen 2 "getesteten" Lieder ("Warrumska" & "Vokuhila") erscheinen später auf anderen Veröffentlichungen.

Mit dem neuen Album im Gepäck beginnt am 1. Oktober die "Eine Frage der Ehre-Tour", die bis Mitte November dauert. Beim Konzert in Essen spielen die Ärzte gezwungenermaßen in der "Grugahalle", da es (nach Aussage der Managerin) "im Ruhrgebiet keine anständigen kleinen Hallen gibt": Mit ca. 8000 Zuschauern bedeuted dies Bandrekord. Bei einigen Konzerten der Tournee agieren "WIZO" als Vorgruppe, bei einigen anderen die "Terrorgruppe".


Ab Ende März 1996 kann man die Ärzte abermals "on stage" sehen: Ähnlich wie die '94er "Tour-Tour" ist auch diese Konzertreise ("Voodoo Lounge-Tour") erheblich länger als die erste, direkt nach dem Erscheinen des letzten Albums begonnene "Eine Frage der Ehre-Tour".

Bei einigen ihrer Auftritte spürt die Band erstmals seit ihrer Wiedervereinigung, daß manche Fans derzeit eventuell mit Konzerten übersättigt sind: Vor allem bei Zusatzkonzerten gibt es Probleme, die Hallen zu füllen; ein geplantes Festival am Kölner "Fühlinger See" muß gar wegen des katastrophalen Vorverkaufs abgesagt werden. Andererseits gibt es auf der bis zum 30. Juni dauernden Tournee genügend Beispiele für Hallen, die schlicht knüppelvoll sind. Die Band präsentiert sich jedenfalls in bester Laune.

Währenddessen taucht bei VIVA ein Video-Clip namens "Rod Loves You" auf, zu dem es im Handel absichtlich keine Single zu kaufen gibt. Nur Radiostationen (und ganz wenige Fanclub-Mitglieder) erhalten spezielle Promotion-CD-Singles. Zum Ausgleich dafür kann man sich ab Ende Mai mit dem neuesten Ärzte-Album "Le Frisur" eindecken. Bei diesem "Konzept-Album" geht es von Anfang bis Ende um das Thema "Haare".

Zu sehen gibt es auch mal wieder etwas von der Band, nämlich auf den Kaufvideos "Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte (Teil 1)",und "(Noch mehr) Gefangen im Schattenreich von Die Ärzte (Teil 2)". Diese lassen den geneigten Fan 107 bzw. 103 Minuten lang am Leben der Ärzte während der Tourneen '93-'96 teilhaben, und zwar sowohl auf als auch hinter der Bühne. Der 2. Teil enthält zudem "Making Of"-Aufnahmen von der Produktion des Albums "Planet Punk" und einiger Video-Clips.

Als Kiss im Dezember im Rahmen ihrer "Reunion-Tour '96" auch nach Deutschland und in die Schweiz kommen, werden die Ärzte als "Special Guests" für das Vorprogramm engagiert , wo sie immerhin 70(!)minütige Auftritte bestreiten dürfen.

Zum Ende des Jahres löst sich die "Metronome" auf, wodurch auch die vertraglichen Bindungen der Ärzte mit dieser Plattenfirma beendet sind.


Auch 1997 kann man die Ärzte mehrmals im Doppelpack zusammen mit Kiss bewundern: Bei einigen Konzerten der "Kiss Open Air '97"-Tour und bei den (nach eigenen Angaben weltgrößten) Rockfestivals "Rock im Park" bzw. "Rock am Ring".

Eine halbwegs "richtige" Ärzte-Tour ("Ärzte Live 1997") findet aber auch statt, allerdings führt diese im Ausgleich zu den (im etwa gleichen Zeitraum stattfindenden) riesigen Kiss-Open Airs mal wieder in relativ kleine Clubs. Wie schon beim '95er Pendant wird auch für diese Club-Tour so gut wie nicht geworben, weshalb es abermals ungemein vorteilhaft ist, Mitglied eines Fanclubs zu sein...

Sehr zurückhaltend geben sich die Ärzte in diesem Jahr mit der Veröffentlichung neuer Songs: Gerade mal ein neuer Track ("Ein Lied über Zensur") erscheint im November auf dem Benefiz-Sampler "Zensur?!" zugunsten des Alpha Comic Verlages. Bela B. steuert zudem einige Songs zum "Obesession"-Soundtrack hinzu.

Mit der Doppel-CD "GötterDÄmmerung", einem Projekt des Münsteraner Fanclubs, erscheint aber immerhin noch das erste offizielle Ärzte-Tribut-Album, an dem sich u.a. Bands wie die Fantastischen Vier, die Terrorgruppe, Mr. Ed Jumps The Gun, Wizo, Fettes Brot und Lucilectric beteiligen und zum Teil bemerkenswerte Ergebnisse erzielen.


1998 melden sich die Ärzte mit ihrer bislang erfolgreichsten Single "Ein Schwein namens Männer" zurück, die auf dem mittlerweile selbst gegründeten Label "Hot Action Records" erscheint und ebenso wie das im Mai veröffentlichte Album "13" zum Teil wochenlang an der Spitze der deutschen, schweizer und österreichischen Charts steht (einzige Ausnahme: In Österreich schafft es das Album "nur" auf Platz 2).

Bereits ab Mitte März ist die Band endlich auch mit einer eigenen, offiziellen Ärzte-Homepage im Internet vertreten. Doch selbst auf dieser wird vorher kein Sterbenswörtchen über die lediglich 6 Konzerte umfassende kurze Geheimtour im Mai verraten, die die Ärzte unter dem Pseudonym "Paul" mal wieder in kleinste Clubs führt. Abermals haben Fanclub-Mitglieder einen entscheidenden Informationsvorsprung gehabt....

Trotzdem kann in diesem Jahr wohl kein Fan über einen Mangel an Konzerten klagen, da die Ärzte vom 12. August bis zum 24. November auf große "Attacke Royal"-Tour gehen und dabei über 60 Konzerte geben. Beim Abschlußkonzert im Kölner "E-Werk" bricht die Band alle mir bekannten Rekorde und steht sage und schreibe 3 Stunden und 43 Minuten auf der Bühne!

Da es der Welt zudem offenbar schon immer an einem Ärzte-Comic gemangelt hat, wird dieser schwerwiegende Notstand beseitigt, indem im Ehapa-Verlag ein ebensolches unter dem Titel "Im Angesicht des Schattenreiches von Die Ärzte" veröffentlicht wird.

Mit Veröffentlichungen ganz anderer Art hat hingegen Farin zu kämpfen: Nachdem sich die Ärzte mittlerweile weigern, der "Bravo" Interviews zu geben, diese Zeitschrift aber wegen des großen Erfolges der Band notgedrungen dazu gezwungen ist, über die Drei zu schreiben, müssen sich die Redakteure halt ständig irgendwas aus den Fingern saugen - selbst wenn es der Wahrheit nicht immer gerade sehr nahe kommt: Farin ist im Rahmen solcher Bemühungen von der Bravo in mehreren Artikeln als gefährlicher Irrer dargestellt worden und hat sich dadurch sogar dazu genötigt gesehen, mehrere Gegendarstellungen auf der offiziellen Ärzte-Homepage zu veröffentlichen.


1999 macht sich "die beste Band der Welt" konzertmäßig wieder ziemlich rar und läßt sich lediglich vier Mal bei relativ kurzen Auftritten als Headliner der deutschen "Warped Tour"-Festivals bewundern.

Nachdem im Juni mit "Rebell" überraschenderweise doch noch eine weitere Single aus dem letztjährigen Album "13" ausgekoppelt worden ist, erscheint im November endlich das von den Fans lang ersehnte zweite Live-Album "Wir wollen nur Deine Seele", das Aufnahmen verschiedener Konzerte zwischen 1994 und 1998 enthält. Der Videoclip zur vorab veröffentlichten Live-Single "Elke" (ein reiner Zeichentrick-Clip) wird von MTV kurioserweise wegen Verstoßes gegen britisches Medienrecht zensiert und deshalb nicht ausgestrahlt. Offizielle Begründung: (1) Realistische Gewaltdarstellung, (2) Abbildung von Waffen und (3) wegen sogenannter "Strobe"-Effekte, die epileptische Anfälle verursachen können. Naja...

Mit dem Kaufvideo "Killer" erscheint zudem eine Sammlung aller seit der '93er Reunion veröffentlichten Video-Clips, außerdem beteiligen sich die Ärzte noch mit einem exklusiven neuen Song am Soundtrack zum "Käpt'n Blaubär"-Film.


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MG.Rickers, 02.01.2011