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BHs nur aus Frauenhand

Die Ärzte wollten auch in der Wuhlheide nur Sex, Drogen und Rock’n’Roll

Von Björn Döring

Es gibt Menschen, die sind einfach nie zufrieden. Bela B., der singende Standschlagzeuger der Ärzte, ist einer von diesen unangenehmen Typen. Da spielt er nach eigenem Bekunden schon in der "besten Band der Welt", gibt mit diesem hochqualifizierten Ensemble am Sonntag in der Wuhlheide ein Konzert, bei dem ihn fast 20 000 Menschen mit "La Ola" feiern, doch es reicht ihm nicht: "Wir sind ja schöne Rockstars", jammert der vom Schicksal Gebeutelte, als er eine der Devotionalien aufhebt, die ihm unablässig entgegenfliegen. "Wir kriegen fliederfarbene BHs von Männern auf die Bühne geworfen!"

Wenn BH, dann auch aus Frauenhand. Doch Belas ebenfalls singender und Gitarre spielender Kollege Farin Urlaub freut sich über jede gesellschaftliche Randgruppe, die er begrüßen darf: "Hallo Crossdresser!", ruft er dem BH-Werfer zu, während Bassist Rodrigo Gonzalez als schweigender Genießer die restliche Damenunterwäsche an seinem Instrument anbringt. So ist die Welt der Ärzte: Sex, Drogen, Reichtum, Rock’n’Roll und Erfolg.

Dabei wissen die drei Quasselstrippen nur zu genau um diese Klischees und spielen ein ironisches Spiel, in dem jeder von ihnen seine feste Rolle innehat. Sie ziehen übereinander her und treffen sich immer wieder beim Thema Nummer eins. Jede sich bietende Anzüglichkeit wird ansatzlos mit einer Pointe erlegt: "Ich habe schon immer davon geträumt, mit vier Bläsern auf Tour zu sein", lautet zum Beispiel die orale Phantasie zum Gastauftritt der Blechbläser von der Vorgruppe The Butlers.

Die Ärzte veralbern sich, ihr Publikum und den Rest der Welt mit einer seit Jahren eingespielten Routine, die selbst auf einer Bühne funktioniert, von der aus kaum den Leuten in der ersten Reihe ins Gesicht zu sehen ist. Doch wer über einen Hit-Fundus verfügt, mit dem seit der Bandgründung 1983 mindestens zwei Teenie-Generationen groß geworden sind, wer mit einem Platin-Album samt Nummer-Eins-Hit auf Tournee geht und den eigenen Humor als Trademark etabliert hat, der kann sich fast alles erlauben und hat sich die bedingungslose Liebe seiner Fans redlich verdient.

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