2. Bericht von einem Konzert im Rahmen der '97er Club-Tour ("Ärzte Live 1997")
am 01.05.97
in der Hamburger "Fabrik":

(Dieses Konzert war außerhalb Hamburgs nur den Fanclub-Mitgliedern bekannt und deshalb nicht auf diesen Web-Seiten angekündigt worden !!!)


VON MG.RICKERS:

In Hamburg spielten die Ärzte (wie schon bei der '95er Club-Tour) in der "Fabrik", einem ziemlich abgefahrenen Schuppen, in dem irgendwie ein bißchen Endzeitstimmung à la "Mad Max"-Filme aufkommt: Der "Innenraum" vor der Bühne ist schlauchartig -sehr schmal, aber enorm langgestreckt-, und eine Etage höher gibt es eine Galerie, die den gesamten Innenraum umgibt (von der man also auch von der oberen Rückseite (!) aus auf die Bühne gucken kann). Die Längsseiten dieser Galerie sind zudem über eine Art "Brücke" genau über dem Innenraum (!) miteinander verbunden. Da die Fabrik proppevoll war, sah man sich demnach im Pulk vor der Bühne nur so von Fans (und diversen Eltern - die Ärzte sind halt eine Band für die ganze Familie...) umgeben. Alleine schon dadurch ergab sich eine geniale Athmosphäre!

Die Ärzte scheinen ja ein besonderes Verhältnis zu Hamburg zu haben, dementsprechend gespannt war ich dann auch auf gerade dieses Konzert. Und tatsächlich waren Farin, Bela und Rod an diesem Abend in wirklich großer Form und rechtfertigten fast 2 1/2 Stunden lang, warum man eigentlich Fan ist von dieser Gurkentruppe.

In der Pogo-Zone trennte sich mal wieder recht schnell die Spreu vom Weizen; schon nach dem ersten Song ("Super Drei") waren die Fronten geklärt... Es ist doch immer wieder amüsant zu beobachten, wie fassungslos doch einige Leute zu sein scheinen, die sich vor einem Konzert offensichtlich völlig unbedarft einen Platz ausgerechnet dort gesichert haben, wo es hinterher am wildesten zugeht! Im Gegensatz zu dem, was Sarah Heib in ihrem Bericht geschrieben hat, empfand ich den Pogo in der "Fabrik" keineswegs als rücksichtslos, sondern sogar teilweise als eher harmlos, da sich bei vielen Hamburger Fans (wie schon '96 bei den Hosen!) sehr bald Konditionsschwächen bemerkbar machten. Mir hat die Sache dort vorne jedenfalls ordentlich Spaß gemacht.

Wie schon bei den letztjährigen Sonderkonzerten im Berliner "SO36" und der Frankfurter "Batschkapp" spielten die Ärzte schwerpunktmäßig Titel aus aus ihren letzten beiden Alben "Le Frisur" und "Planet Punk", wobei sie interessanterweise auf die beiden Singleauskopplungen "Hurra" und "3-Tage-Bart" verzichteten, was aber auch ganz in zumindest meinem Sinne war...
Bei "Motherfucker 666" sangen die drei -wie bei allen Konzerten dieser Tour, die ich miterlebt habe- am Ende "...Deutsche Baaaaaank..." statt "...die Frisuuuuuuur...". Das macht zwar inhaltlich keinen Sinn, scheint aber gesangstechnisch von Vorteil zu sein: Wer schon mal versucht hat, bei dem Lied zu pogen und gleichzeitig mitzugröhlen, lernt die Vorzüge dieser Änderung zu schätzen...
Ziemlich ruhig im Publikum wurde es ausnahmsweise bei "Ich bin wild": Da scheint bei vielen (jüngeren?) Fans noch eine echte Bildungslücke zu bestehen... Andere, selten live gespielte Titel wie "Wilde Mädchen", "Wegen Dir" und "Mein kleiner Liebling" kannten hingegen anscheinend schon viel mehr Leute.
Zu den absoluten Höhepunkten zählten sicherlich zwei Songs, die in neuen Versionen gespielt wurden: Das "Schlaflied" in einer geilen Rock-Version und die unglaublich geniale Punk-Variante von "Meine Ex(plodierte Freundin)".
Einmal richtig in Fahrt gekommen, spielten die Ärzte auch noch einige tolle Sachen, die ich nur in Hamburg (hab' ichs doch gewußt!) gehört habe: Da wären zunächst die beiden vom Publikum lauthals mitgegröhlten Cover-Versionen von Joan Jett's "I Love Rock'n'Roll" und Queen's "We Will Rock You" zu nennen, der Song "No Future (ohne neue Haarfrisur)" vom "Le Frisur"-Album sowie "Claudia'97" (der Text war, glaube ich: "Claudia.....ist verwehst! - Ja, er starb...").
So richtig schön überraschend kam dann allerdings das a cappella (!) vorgetragene Stück "Mein kleiner grüner Kaktus" (im Original von den Comedian Harmonists noch aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg) 'rüber: SOWAS habe ich von den Ärzten jedenfalls noch nie gehört!
Zum Abschluß des Konzertes spielten die drei dann noch ein Stück, das wohl speziell den Fans des FC St.Pauli gewidmet war: Die englische Fußballhymne "You'll Never Walk Alone", die vielen auch von der '96er Hosen-Tournee bekannt sein dürfte.

Fazit: Ein klasse Konzert an einer wirklich tollen Location - was will man mehr?!


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MG.Rickers, 25.05.97